Rezept: Jambalaya

Ein Louisiana-Klassiker auf einem deutschen Foodblog? Ich höre jetzt schon einige schreien: »Der Typ kommt doch gar nicht aus Louisiana! Warum soll der mir erzählen, wie man ein Jambalaya kocht?« Ganz unbescheiden antworte ich darauf: Weil mein Rezept wirklich fantastisch ist.

Dieses ungezügelte Selbstbewusstsein kommt daher, dass ich bisher an keinem Rezept so viel herumexperimentiert, verändert und optimiert habe, wie an meinem Jambalaya. Ich habe Garnelen gepult und aus den Köpfen und Schalen meine eigene Fischbrühe gekocht; diverse unterschiedliche Wurstsorten habe ich probiert, um einen adäquaten Ersatz für Louisiana-Andouille zu finden; von frischen Chilischoten über diverse Hot Sauces habe ich getestet, um die ausgewogenste Quelle für Schärfe zu finden; selbst die Dosentomaten habe ich fünf mal gewechselt, bis ich die perfekte Sorte gefunden habe.

Das Ergebnis dieser dutzend Versuche ist eins meiner absoluten Lieblingsrezepte. Der angenehme Geruch, den das Jambalaya in der Wohnung verbreitet. Der facettenreiche Geschmack aus Zutaten, die man in Deutschland so eher nicht kombiniert. Selbst meine Freunde aus den USA sagen: Das ist ein echtes Jambalaya.

 

Natürlich ist dies nur ein Grundrezept. Fragt zehn Leute nach ihrem Jambalaya und ihr bekommt zehn unterschiedliche Rezepte. Mit Huhn. Ohne Huhn. Mit Fischbrühe statt Hühnerbrühe. Mit frischen Tomaten. Ohne Wurst. Scharf. Mild. Also: verändert das Rezept so, wie es euch am besten gefällt. Dies ist schließlich keine italienische Küche, bei der es nur ein mögliches Rezept gibt und ihr bei der kleinsten Abweichung sofort mit Mistgabeln aus der Stadt gejagt werdet.

Also haltet eure Geschmacksnerven fest: Los gehts!

Zutaten für 3 bis 4 Portionen

  • 300 g Hühnerbrustfilet
  • 80 ml Olivenöl
  • 1 Teelöffel Salz
  • 5 Esslöffel Cajun/Creole-Gewürzmischung
    Ihr könnt natürlich auch eine fertige Mischung kaufen – sofern ihr sie bekommt. Bisher fand ich jedoch meine Mischung immer besser als fertigen Varianten.
  • 2 Stangen Sellerie
  • 1 Zwiebel
  • 1 grüne Paprika
    Es muss eine grüne Paprika sein. Nur diese hat das leicht bittere Aroma, das hier gewünscht ist.
  • 3 Zehen Knoblauch
  • 300 g große Garnelen, geschält und ohne Darm
  • 2 Esslöffel Butter
  • 300 g Krakauer Wurst
    In Louisiana wird für Jambalaya Andouille verwendet. Diese gibt es in Deutschland leider gar nicht. Es gibt zwar eine französische Wurst mit dem gleichen Namen, die aber mit der US-Variante nicht viel gemeinsam hat.
    Eine Louisiana-Andouille ist eine geräucherte Wurst aus Schweinefleisch. Ich habe viel probiert und glaube, dass Krakauer dem Geschmack am nächsten kommt. Mit genug Cajun/Creole-Gewürzmischung gleicht ihr auch aus, dass Andouille eigentlich ein wenig scharf ist.
  • 1 Dose Mutti Polpa
    Wie ich oben schrieb, habe ich einige Sorten Dosentomaten ausprobiert. Viele andere Rezepte sagen: »Nehmt St. Marzano Tomaten!« Diese finde ich jedoch in einem Jambalaya zu tomatig – zu stark und fruchtig im Geschmack. Sie klauen den anderen Zutaten eher die Bühne als dass sie miteinander harmonieren. Meine Wahl: Mutti Polpa.
  • 1 Teelöffel weißer Pfeffer (gemahlen)
  • 1/2 Teelöffel Worcestershire Sauce
  • 1/2 Teelöffel Filé-Pulver – alternativ: drei Lorbeerblätter
    Filé-Pulver ist ebenfalls eine wichtige Zutat der Cajun/Creole-Küche, die ihr in Deutschland nicht bekommt. Das sind die gemahlenen Blätter des Sassafras-Baums, der in Nordamerika wächst.
    Ich habe meins online bestellt. Wenn euch das aber eine Stufe zu viel Aufwand ist, könnt ihr auch einfach drei Lorbeerblätter mitkochen. Der Geschmack ist entfernt verwandt.
  • 250 g parboiled Langkornreis
  • 600 ml Hühnerfond
    Ich nehme Fond aus dem Glas. In der allergrößten Not könnt ihr aber auch Instant-Hühnerbrühe benutzen.
    Selbstverständlich ist das allerbeste, wenn ihr euch einen Hühnerfond selbst kocht. Das halte ich jedoch nicht für besonders praktikabel, wenn ihr euch spontan dazu entscheidet, ein Jambalaya zu kochen.
  • Salz zum Abschmecken
  • Hot Sauce zum Abschmecken
    Ich verwende Crystal Hot Sauce aus Louisiana. Aber natürlich könnt ihr auch Frank’s, Tabasco oder jede andere Hot Sauce nehmen. Jambalaya sollte pikant – wie wir Deutschen es so schön nennen – sein. Eine feurige Schärfe ist bei den vielen Geschmacksnuancen nicht gut.

Zum Anrichten

  • Frühlingszwiebeln

Vorbereitung – ein Tag vorher

  1. Schneidet das Hühnerbrustfilet in mundgerechte Stücke.
  2. Gebt sie zusammen mit dem Olivenöl, dem Teelöffel Salz und 2 Esslöffel der Cajun/Creole-Gewürzmischung in einen Gefrierbeutel.
  3. Verschließt den Beutel gut und mischt alles gut durch.
  4. Legt das marinierte Hähnchen im Beutel über Nacht in den Kühlschrank.

Vorbereitung

  1. Holt das Huhn und alle anderen Zutaten eine Stunde vor dem Kochen aus dem Kühlschrank.
    Kocht niemals mit kalten Zutaten! Erstens wird kaltes Fleisch nicht schnell genug gar und dadurch trocken. Zweitens verändern kalte Zutaten zu schnell die Temperatur des Gerichts und ihr verändert so Kochzeiten oder eventuell gewünschte Gareffekte.
  2. Bereitet die Holy Trinity der Cajun/Creole-Küche zu:
    Schneidet dafür den Sellerie, die Zwiebel und die grüne Paprika in feine Stückchen.
  3. Schneidet den Knoblauch ebenfalls in feine Stückchen und gebt sie zur Holy Trinity.
  4. Schneidet die Krakauer in circa 4 mm breite Scheiben.

Zubereitung

Bei Jambalaya handelt es sich um ein One-Pot-Gericht – das heißt, ihr bereitet das gesamte Gericht in nur einer Pfanne zu. Am besten gelingt es in einer großen, gusseisernen Pfanne. Eine beschichtete Edelstahlpfanne funktioniert jedoch auch.

  1. Macht die Pfanne auf starke Hitze heiß.
  2. Gebt das Huhn zusammen mit der Marinade in die Pfanne und lasst es kurz von allen Seiten bräunen.
  3. Nehmt das Huhn aus der Pfanne und stellt es beiseite.
  4. Lasst die Garnelen ein paar Sekunden die heiße Pfanne küssen, damit deren Oberfläche leicht braun wird.
  5. Nehmt die Garnelen aus der Pfanne und stellt sie ebenfalls beiseite.
  6. Verringert Flamme unter der Pfanne auf mittlere Hitze.
    Ich sage Flamme, obwohl ich mit Induktion koche. Mit solchem Vokabular tun Hobbyköche wie ich so, als wären sie echte Köche. Seht es mir nach!
  7. Gebt die Butter in die Pfanne und lasst sie schmelzen.
  8. Gebt die Holy Trinity zur Butter, gebt ein bisschen Salz dazu und lasst alles 10 Minuten braten. Es soll bräunen aber nicht verbrennen – also wendet so selten wie möglich.
  9. Gebt nun die geschnittenen Krakauer mit einem Esslöffel der Cajun/Creole-Gewürzmsichung dazu und lasst alles zusammen weitere 5 Minuten braten. Wendet ebenfalls so selten wie möglich.
  10. Gebt danach die Dosentomaten, den Rest Cajun/Creole-Gewürzmsichung, den weißen Pfeffer, die Worcestershire Sauce, das Filé-Pulver (oder die Lorbeerblätter) und ein wenig Salz dazu und lasst alles 10 Minuten zugedeckt auf mittlerer Hitze köcheln.
  11. Danach gebt ihr den Reis und die Hühnerbrühe dazu.
  12. Lasst alles auf mittelschwacher Hitze köcheln, bis der Reis die Flüssigkeit fast komplett aufgenommen hat. Rührt dabei regelmäßig um.
  13. Wenn ihr Lorbeerblätter statt Filé verwendet habt, nehmt diese jetzt raus.
    Gebt das beiseite gestellten Huhn und die Shrimps zu den anderen Zutaten und mischt alles sorgfältig durch.
  14. Schmeckt das Jambalaya mit Salz und Hot Sauce ab.
  15. Reduziert die Hitze auf schwache Flamme und lasst den Rest Flüssigkeit vollständig absorbieren – ohne Deckel auf der Pfanne.

Richtet das Jambalaya mit fein geschnittener Frühlingszwiebel an.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: